Vergleicht man die Hirnströme von Normalträumern mit denen von Klarträumern, so wurde festgestellt, dass Klarträumer am Anfang der REM-Phase (Traumphase) zuerst plötzlich mehr Alphawellen (8-12Hz) aufweisen und dann während der REM-Phase des Klartraums in der linken Hirnhälfte mehr Betawellen (13-19Hz) produzieren als Normal-Träumer. Bei Normal-Träumern hingegen ist einzig die rechte Hirnhälfte deutlich aktiver beim Träumen.

Welche Rolle beim Klarträumen sogenannte Gamma-Frequenzen (40Hz) spielen, ist noch nicht geklärt. Tatsache ist aber, dass 40Hz generell im Wachzustand bei allen Menschen überall dort verstärkt gemessen wird, wo bewusste Wahrnehmungsprozesse, bewusstes Planen und Denken im Gehirn stattfinden. 40Hz-Aktivität scheint mit Bewusstsein zu korrelieren und wird deshalb auch die "consciousness-binding frequency" genannt. Das Interessante ist nun, dass 40Hz bei allen Menschen nur in zwei Bewusstseinszuständen verstärkt gemessen werden kann: Im Wachzustand sowie in REM-Phasen beim Träumen. Im Tiefschlaf, Koma oder in einer Anästhesie ist 40Hz praktisch nicht vorhanden. (Ich beziehe mich hier auf die Arbeiten der Frankurter Forschergruppe unter der Leitung von Wolf Singer und Charles Grey sowie von Rodolfo Llinas  von der New York University School of Medicine).

Neuere Studien auf dem Gebiet der Neurowissenschaften (z.B. von Prof. D. Lehmann vom KEY Institute for Brain-Mind Research, University Hospital of Psychiatry, Zürich oder Prof. R. J. Davidson, University of Wisconsin), sowie eigene Messungen in meiner Praxis, haben zudem dokumentieren können, dass vor allem bei langjährig erfahrenen Meditierenden die 40Hz Aktivität z.T. SEHR stark ausgeprägt ist im Vergleich zu Nicht-Meditierenden. Da historisch und kulturell gesehen das luzide Träumen vor allem von spirituell fortgeschrittenen Meistern der Meditation oder erfahrenen Schamanen gezielt praktiziert wurde, könnte angenommen werden, dass die 40Hz Aktivität ein entscheidender Schlüssel zum Klarträumen ist.

Diese Hypothese, dass die Gamma-Aktivität der Schlüssel zum Klarträumen sein könnte, kann auch anders begründet werden: 40Hz tritt ja verstärkt bei bewussten Wahrnehmungsprozessen und bewusstem Denken auf. Und genau dies wird ja bei den sogenannten "Realitätstests" angewandt z.B. gemäss der Klartraum-Lerntechnik von Prof. Tholey.

Eine weitere Erkenntnis der Neurowissenschaften unterstützt diese Hypothese: Im REM-Schlaf sind vor allem jene Hirnregionen aktiv, die tags zuvor speziell intensiv gebraucht wurden. Dies betrifft vor allem neue Lernprozesse. Auch das Erlernen des luziden Träumens ist ein Lernprozess. Jeder Lernprozess geht mit neuen nervlichen Verbindungen einher. Intensives Hinterfragen des Bewusstseinszustandes mehrmals am Tag mit der Frage "Träume ich oder nicht?" und den damit verbunden Realitätstests könnte neurophysiologische Lernprozesse im Gehirn stimulieren, welche wiederum mit 40Hz Aktivität des Nervensystems korrellieren. Genau diese Hirnaktivitäten des Klartraum-Lernprozesses werden dann im Traum verarbeitet, und wenn wir Glück haben, werden wir uns auch wirklich bewusst, dass wir träumen...... ;-)